FEUER

Brennen der Keramik

Nachdem ich einige Gefäße getöpfert hatte und diese gut drei Wochen getrocknet waren, brachte ich einen Teil zu der schon erwähnten Firma Keramik-Kraft in Cremlingen (→Webseite). Alle Gefäße, die ich dort bisher habe brennen lassen, überlebten den Brand ohne irgendwelche Risse oder Abplatzungen. Gleich, ob sie aus dem selbst gewonnenen oder dem gekauften Ton hergestellt waren. Was mich etwas überraschte, war, das auch der selbst gewonnene Ton rot brannte, und hinterher kaum vom gekauften zu unterscheiden war.

Zwei kleine Näpfchen, links „Ton aus der Landschaft“, rechts gekaufter Ton.

Die Keramik ist hier im „Schrühbrand“ bei etwa 900 Grad gebrannt. Danach ist die Keramik „wasserfest“, aber nicht „wasserdicht“. (Dazu mehr im nächsten Kapitel.)

Unsere Vorbewohner in ur- und frühgeschichtlicher Zeit hatten natürlich keinen modernen, elektrischen, gesteuerten Brennofen zur Verfügung. Archäologische Befunde legen nahe, dass es tatsächlich zumindest seit der ausgehenden Jungsteinzeit Brennöfen für Keramik gegeben hat, natürlich Holz befeuert. Die ursprünglichste Brennweise aber ist der offene Feldbrand bzw. der Grubenbrand. Wer dazu etwas recherchiert, findet auf YOUTUBE eine Reihe interessanter Dokumentarfilme. So über die noch heute praktizierte Herstellung von Gebrauchskeramik in ländlichen Regionen in Afrika, über einen japanischen Meistertöpfer, der seine Keramik noch immer traditionell brennt, und einen bayerischen Töpfer und Künstler, der zumindest einmal im Jahr Keramik im offenen Feldbrand brennt, um besondere Effekte zu erzielen.

Ich benutzte als Vorbild ein archäologisches Experiment des Museums der Westlausitz in Kamenz.
Dieses Experiment hat das Museum in zwei Videos dokumentiert:
Teil 1: https://www.youtube.com/watch?v=DIJ09MQ3SxY
Teil 2: https://www.youtube.com/watch?v=uQ_FWrVAbVo

Bei meinem Experiment sah erst einmal alles gut aus. Ich entzündete das Feuer am anderen Ende der Grube, damit die Keramik sich langsam erwärmt, und brachte es über eine Stunde immer näher an meine Töpfe. Dann legte ich das Holz so nach, dass die Keramik vom Feuer eingeschlossen war. (Siehe Video oben.) Doch dann kam die Katastrophe. Es machte „Ping! Ping! Ping!“ und vor meinen Augen zerplatzten ausgerechnet einige Gefäße, mit denen ich mir besonders viel Mühe gegeben hatte. Irgendwo glaube ich eimal gehört oder gelesen zu haben: Wenn man ohne Erfahrung im offenen Holzfeuer brennt, sollte man mit bis zu 30% Verlust rechnen. Ich hatte gut 50% Verlust! Die überlebenden Gefäße aber brannten ohne weitere Schäden durch. Etwa drei Stunden hielt ich das Feuer insgesamt in Gang.

Die überlebenden Gefäße – direkt im Feuer.

Dann deckte ich die Glut und die Gefäße mit einer Lage Sägespäne und einer etwa zehn Zentimeter dicken Sandschicht zu. Am nächsten Tag wurde dann das Ergebnis im Beisein von ein paar Freunden (darunter auch zwei Profi-Archäologen) „ausgegraben“.

Hier gibt es eine Bildergalerie mit den vorläufigen Ergebnissen meiner Versuche. Links im Bild ist ein Maßstab: Rotes Kästchen 5x5mmm. Schwarzes Kästchen 5mm hoch, 10mm breit.

  • Versuch schnurverzierte Keramik (Schnurkeramiker = Endneolithikum, 3. JT v.Chr.), gekaufter Ton, modern gebrannt.

Einen Doppelkonus hat es beim Brand im Holzfeuer so vollständig zerlegt, dass ich bei der Suche zwischen Asche, Holzkohle und Sand tatsächlich nur noch drei anpassende Scherben finden konnte. Wer jemals bei einer Siedlungsgrabung mitgemacht hat, dem kommt das allerdings bekannt vor. Merkwürdiger Weise findet man in vorgeschichtlichen Siedlungsgruben häufig nur einen Teil der Scherben eines Gefäßes…

Reste eines Doppelkonus, geklebt.

Das nächste Kapitel ist nur sehr kurz, und fragt nach der „Brauchbarkeit“:

→ WASSER – Dichtigkeitstest